Todesträume und Schwellenerfahrungen

Mahakala, der Große Schwarze (Aquarell)

Träume vom Sterben bedeuten immer Wandlung und Erneuerung. Ein Zustand hat seinen Höhepunkt oder sein Ende erreicht, verschwindet aus der Sichtbarkeit, kehrt sich um in sein Gegenteil oder verändert die Form, da sie dem Inhalt nicht mehr angemessen dienen kann. Wenn wir vom Tod einer uns bekannten Person träumen, naht das Ende der Beziehung. Unser höheres Bewusstsein weiß um die Notwendigkeit der Trennung und Abnabelung. Innerlich durchleben wir bereits eine Zeit der Trauer und verabschieden uns, um dann wenig später mitzuerleben, dass in der Realität unsere Gefühle für diesen Menschen absterben und ein radikaler Wechsel in der Art der Beziehung nötig ist.

Träume vom eigenen Tod oder Hinweise darauf zeigen unsere tiefe Sehnsucht nach Veränderung, Wandlung und Neubeginn. Der Lebensfluss stagniert, wir kommen an unüberwindlich erscheinende Grenzen, stoßen auf Mauern, verschlossene Türen, unüberwindbar erscheinende Hindernisse. Ein alter Lebensabschnitt findet seinen Abschluss und wir befinden uns in der Phase des Übergangs. Eine Schwelle muss überschritten werden. In dieser Entwicklungsphase, die sich besonders im Sieben-Jahres-Rhythmus (Saturn) zeigt, mehren sich die Schwellenerfahrungen in unseren Träumen.

Der Tod ist wie jede tiefgreifende Wandlung eine Schwellenerfahrung. Beim Übergang über die Schwelle werden wir mit gravierenden Veränderungen konfrontiert, ähnlich der Veränderung von Aggregatzuständen, etwa wenn Wasser zu Eis gefriert oder durch die Hitze des Feuers verdampft. Stehen wir vor der Schwelle, haben sich die Ereignisse so weit entwickelt, dass eine Entscheidung von uns verlangt wird, die unser Leben wandelt und erneuert. Wir stehen vor Toren und Eingängen, an der Grenze, vor der Pyramide oder an der Kasse. Es geht auch um den Ausgleich der Konten, wo wir aufgefordert werden, für das zu bezahlen, was wir erhalten oder uns genommen haben. Wir befinden uns vor Glasscheiben, vor Gittern, Quadraten oder geheimnisvollen Farbräumen, die wir zu durchschreiten haben.

Pforte der Transzendenz (Aquarell)

Der Hüter und Wächter der Schwelle (Saturn) verlangt von uns einen Wegezoll, das Bestehen einer Prüfung. Wir haben uns zu bewähren und die Verantwortung für unser Leben unter Beweis zu stellen. In dieser Zeit ist es ratsam, astrologisch auf die Saturn-Transite zu achten, die nicht nur zeigen, in welchen Bereichen wir uns der Verantwortung zu stellen haben, sondern auch das Ende von Beziehungen und Lebensphasen anzeigen. Stehen wir einmal an der Schwelle, gibt es kein Zurück mehr. Es gibt nur den Schritt nach vorn. Wir haben den ersten Schritt ins neue Leben, in die neue Erfahrung zu machen. So sind Todes- und Schwellenträume immer auch Initiationsträume.

Es gibt viele Schwellensymbole im Traum. Türschwellen sind Übergänge von einem Raum in den anderen, von einer Dimension in die andere. Hier begegnen wir den Archetypen und Symbolen der Wandlung, der Schlange, der Spinne, einem Kind, dem weisen Alten, Animus und Anima. Im Traum begegne ich hier dem Jungen, der Pranayama[1] praktiziert. Ich komme an ihm nicht vorbei, denn der Energiekreislauf seines Atems zeigt sich vor seinem Kopf als ein sich drehendes Energierad mit spitzen Pfeilen oder kleinen Messern. Dann werde ich selbst zu dem Jungen, der den Fluss des Prana beherrscht. In anderen Träumen finde ich grüne Kugeln, die aufgesammelt und integriert sein wollen, bevor ich die Schwelle überschreiten kann. Gleichzeitig ereignet sich das Wunder der Erneuerung: Unkraut verwandelt sich in Heilkraut.


[1] eine Atemübung im Yoga

Initiation: Die Rote Hand (Pastellkreide)

Es kann auch ein Vorhang zwischen den Räumen gespannt sein, den wir aufziehen oder übersteigen müssen. Oder es werden uns Szenen vor und hinter einem Spiegel gezeigt. Manchmal mag es sich dabei um Verkörperungen aus anderen Existenzen und Zeiträumen handeln. Wir sehen uns »vor« und »nach« der Wandlung, vor einer isolierenden Glasscheibe und dahinter. Während einer partnerschaftlichen Beziehung träume ich einmal, dass ich als erwachsene Frau vor der Glasscheibe mit dem Freund als einem kleinen Jungen spiele, dahinter küsst der erwachsene Mann eine andere erwachsene Frau. Hier ist auf beiden Seiten ein mächtiger Mutterkomplex am Werk, der bewusst gemacht und gewandelt sein will. Die reife Frau auf der anderen Seite bin ich selbst, ebenso der gereifte Mann. Der gewandelte Zustand hinter der Glasscheibe zeigt, dass Mann und Frau sich auf Augenhöhe begegnen und vereinen. In einem anderen Traum traut sich der Junge nicht, in den Fluss zu steigen und zu schwimmen, er setzt sich stattdessen vor eine Glasscheibe. Weitere Schwellensymbole sind Gitter, geometrische Raster, Rauten und Quadrate, Löcher in der Wand oder im Boden, lange Tunnel und Korridore, Labyrinthe, Brücken und Schleusen, Wasserfälle und Strudel. Auch das Eintauchen in Wasser, das Betreten einer Höhle und Verschlungenwerden von großen Tieren gehören zu den Erfahrungen des Übergangs und der Einweihung (Initiation) in ein neues Bewusstsein. Indem wir die archetypischen kollektiven Inhalte des Unbewussten integrieren, uns mit ihnen vereinen, entfaltet sich unser überpersönliches, kosmisches Potenzial, das wir als Erbe in uns tragen. Wir wachsen in das größere oder höhere Selbst und schließlich in ein Universales Selbst hinein, erfahren Tod und Neuwerdung in demselben Körper.

happy spiral (Gouache)

In der Facebook-Traumgruppe besteht die Möglichkeit, Träume auszutauschen und Anregung zu deren Deutung zu erhalten.

Sternengrüße von Sundra

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