Gib der Medusa eine Stimme – Teil 1

Mondfinsternis mit Algol am 16.5.2022

Die letzten Mondfinsternisse mit Algol-Effekt waren die partielle Mondfinsternis (PMF) vom 19.11.2021 auf dem exakten Finsternisgrad auf 27°15’ im Stier/Skorpion und die totale Mondfinsternis (TMF) vom 16.5.2022 um 6:14h (MESZ) mit dem exakten Grad der Verfinsterung auf 25°18’ im Stier/Skorpion. Die beiden Finsternisgrade sind also 28° und 26° im Stier/Skorpion (aufgerundet)

Betroffen sind alle diejenigen, die Planeten oder sensitive Punkte zwischen 24° bis 29° Stier/Skorpion im Radix haben oder auch im Quadrat dazu auf diesen Graden in Löwe und Wassermann..

(Beide Male ist mein Radix-Jupiter betroffen, der auf 27°33’ im Skorpion im 6. Haus steht im Trigon zur Fische-Sonne 21°56’ in 11 – Darum teile ich hier meine Sichtweise mit euch).

In der Abbildung zeige ich die geozentrische Sichtweise der Finsternis vom 16. Mai 2022 und auch die heliozentrische Sicht.

Vollmond mit Finsternis und Algol-Effekt

Das Dunkle zeigt sich –

Sonne und Mond auf den Mondknoten

Die Sonne (26° Stier) steht in Konjunktion mit dem Nördlichen Mondknoten (23° Stier), der ja für die Bestimmung des Menschen und seine schicksalhaften Verbindungen steht, die seine seelisch-geistige Entwicklung in dieser Inkarnation fördern. Menschen, die einen Bezug zu unserer Mondknotenachse haben, sind verwandte Seelen und haben immer einen tiefen Zugang zu unserer Gesamtpersönlichkeit, sowohl positiv wohlwollend (Nordknoten) als auch negativ wiederholend (Südknoten). Wir sind mit ihnen durch gemeinsame Erfahrungen in früheren Leben verbunden, sowohl vom Karma (Südknoten – eher karmisch verstrickt, transformierend) als auch vom Dharma her (Nordknoten – entwicklungsförderlich).

DANAE

Der Nördliche Mondknoten im Stier ist auch ein spiritueller Führungspunkt, wo wir aus geistiger Ebene Führung, Orientierung und Unterstützung erhalten auf unserem Weg zur Ganzheit und Vollkommenheit. Die Sonne am nördlichen, aufsteigenden Knoten zeigt großes kreatives Potential an, das eine kreative Selbstverwirklichung ermöglicht. Die eigene Einzigartigkeit, Autonomie und Größe will hier zum Ausdruck gebracht werden, ebenso der Mut zur Selbstständigkeit, zu Führungspositionen, neuen Unternehmungen, mehr Autorität und Macht. Wir dürfen hier ausschließlich auf die eigene Substanz und die eigenen Werte bauen – nicht etwa mit fremder Substanz agieren – die eigenen Talente und Fähigkeiten sind jetzt gefordert, eigenes Wissen will umgesetzt und brauchbar gemacht sein, für sich selbst und andere.

Ein anderes wichtiges Thema ist der Selbstwert und, unter Einbeziehung der Sonne, auch die Selbstliebe. Es wird jetzt ans Licht kommen, in welchen Bereichen wir uns von anderen aufgrund von Mangel, Minderwertigkeit und überstrapazierter Anpassung abhängig gemacht und ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und Bestätigung haben, das wir durch Kontrolle und Zwang aufrecht erhalten wollen.

In unserer Gesellschaft und Familientradition ist es gang und gäbe, mit Vorliebe Situationen zu schaffen, in denen man das Gefühl des Gebrauchtwerdens empfindet. Familienthemen und Familienverpflichtungen erlangen eine überragende Bedeutung, die Bindung zwischen Eltern und Kindern scheint oft unauflöslich. Fast immer liegt diesen Verpflichtungen ein ungestilltes Bedürfnis nach Gefühlszuwendung zugrunde sowie die Angst, erwachsen und selbst verantwortlich am Leben teilzunehmen, und so werden über mehrere Inkarnationen hinweg stillschweigende, schicksalhafte Seelenverträge zwischen sogenannten Seelengeschwistern geschmiedet, die erst dann, wenn das Individuum sich auf den geistigen Weg der Befreiung macht, als großes Hindernis erfahren werden. Dann wird nach Wegen in die Befreiung gesucht: beispielsweise durch Meditation und Yoga, durch Traumarbeit, Psychosynthese, systemische Familienrückführung oder das Zurückholen von Seelenanteilen.

Es erfordert großen Mut und Ehrlichkeit, den nicht eingestandenen Machtwillen zu erkennen, der der eigenen Entwicklung im Wege steht. Auf meinem Lebensweg wurde ich von Kindheit an immer wieder mit Gewalt in meinen Beziehungen und gewaltsamen Überlebenskämpfen konfrontiert – im Horoskop befindet sich der Fische-Mars (in 10) im Quadrat zum Nordknoten in Zwillinge im 12. Haus und zum Schütze-Südknoten in gradgenauer Konjunktion mit dem Mond. Ich erfuhr bereits als Kleinkind, dass ich auf direktem Weg – durch Schreien – meine Grundbedüfnisse nicht durchsetzen konnte. Ich schrie oft aus Wut, Ungerechtigkeit und einer ohnmächtigen Hilflosigkeit heraus – ich wurde gar nicht gehört (weil ich oft allein war), überhört, bestraft, isoliert und in meiner Angst alleingelassen, lernte schnell, dass ich eher auf dem indirekten Weg, nämlich über Krankheit und Leid, zu der gewünschten Zuwendung kam. Noch auf dem spirituellen Weg war ich gut darin, in meinen Beziehungen um des lieben Friedens Willen und um zu gefallen (!) mein Durchsetzungs- und Abgrenzungsbedürfnis zu verdrängen und rund um die Uhr für andere da zu sein, bis es zu schweren Bewegungsstörungen und Krankheiten kam. Mein Nördlicher Mondknoten befindet sich im 12. Haus der inneren Einkehr: Dank geistiger Führung, direkter göttlicher Stimme, intensiver Traum- und Schattenarbeit, Astroforschung, Meditation, Tanzen Trance und Malen – stehe ich nach tiefstem Fall immer wieder erneuert und bereichert auf.  

Es geht also darum, dass wir uns mit unserer Eigenart so annehmen, wie wir sind (Stier), und nicht über skorpionischer Macht- und Kontrollspiele Gefühle der Unzulänglichkeit oder innerer Leere zu verdecken. Durch den Südknoten, der in Konjunktion mit dem Skorpion-Vollmond steht, werden emotionale karmische Verstrickungen der gegenseitigen Abhängigkeit angezeigt, nicht hinterfragte Ängste, Projektionen und emotionale Anhaftungen, die gelöst werden müssen. Positiv ist das blaue Trigon zu Neptun /Mars in den Fischen, das die spirituelle Entwicklung fördert und Qualitäten von Hingabe, Phantasie und Feinfühligkeit für die Verwirklichung des eigenen Weges anzeigt.

Saturn im Quadrat zu den Mondknoten

Das T-Quadrat (rot) von Saturn zu den Stier-Skorpion-Mondknoten zeigt tiefste Verstrickungen in Erfahrungen von Autorität, Macht und Ohnmacht an, sei es in der Kindheit und auch in früheren Existenzen, die jetzt endgültig gelöst werden dürfen. Weiterhin die Konfrontation mit verdrängten Schatten- und Tabuthemen (Sexualität, Missbrauch, Mord, Opfer/Täter, Sündenbockthematik). Saturn übt hier einen gewissen karmischen Druck – Leistungs- und auch Zeitdruck – aus und drängt zu der Aufgabe, durch Arbeit, Disziplin und Selbstverantwortung über alle Arten persönlicher Abhängigkeit und Anhaftung, vor allem über die übernommenen Elternrollenspiele, hinauszuwachen und seinen wahren Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Dieser Druck motiviert unser inneres Tiefenselbst, das ausschließlich nach Befreiung und Erlösung strebt, unablässig und auf teilweise sehr drastische, intensive emotionale Art, jetzt nicht auf dem Weg steckenzubleiben und den Kopf in den Sand zu stecken oder sich in geheuchelter Selbstzufriedenheit und Pseudosicherheit zurückzuziehen.

Wer sich für den spirituellen Weg entscheidet weiß, dass jede neue gefühlsmäßige Bindung an Menschen, Dinge und Vorstellungen zukünftiges irdisches Karma erschafft. Das Tao Te King gibt den Rat:  

Gebären und ernähren, gebären und nicht behalten; Handeln und nicht darauf Wert legen; Fördern und nicht beherrschen – das ist die mystische Urkraft. (Spruch 10)

Oder in anderer Übersetzung:

Zu erziehen ohne Gewalt, zu erschaffen ohne zu prahlen, zu erzeugen ohne die Produkte zu besitzen, älter als andere zu sein und ihnen nicht zu befehlen: das ist die wahre Mystische Tugend.

Meines Erachtens haben wir, die wir in scheinbar unauflöslichen, skorpionisch-plutonischen Abhängigkeitsbeziehungen stecken, eine ambivalente Haltung zur Macht: Einerseits bewerten wir Macht als etwas Negatives, spüren sofort, wenn jemand den Versuch unternimmt, uns zu manipulieren. Andererseits ist uns der eigene Macht- und Herrschaftsanspruch gar nicht bewusst. Die nicht eingestandenen und nicht offen gezeigten Machtbedürfnisse führen zu dem Bedürfnis nach Manipulation und Kontrolle, das dann zu Schuldgefühlen und Selbstsabotage führt.

Venus trifft im Mars-Zeichen Widder auf den verwundeten Heiler

Was hier im 11. Haus des zukunftsorientierten Wassermanns erneuert und vollkommen neu zum Ursprung kommen will, sind individuelle Beziehungswerte jenseits von überholten gesellschaftlichen Konventionen und Rollenspielen, frei von emotionalen Verhaftungen, vom Schatten schwerer Vergehen in Vergangenheit und Gegenwart, bereinigt von Projektionen aller Art, von Schuld und Schamgefühlen. In unseren Beziehungen wollen wir wieder frei und unabhängig sein, gleichberechtigte Partner, unabhängig von Geschlecht, Rasse, religiöser und kultureller Prägung. Die Tatsache, dass Venus im 11. Haus der Hoffnungen auf eine bessere Zukunft für die Menschheit mit dem Heilerplaneten Chiron zusammensteht, zeigt, dass wir hier einen wunden Punkt der Gesellschaft berühren: das Bild der verletzten Frau, das Bild der minderwertigen, geschändeten, wehrlosen Frau in der Gesellschaft, das dringend der Heilung und Integration bedarf.

Das Zusammenfinden von Wahlverwandten in Gemeinschaften, Zirkeln, Schwester- und Bruderschaften und Netzwerken sollte primär unter dem Gesichtspunkt der Heilung, Stärkung, Erneuerung und Wiedereingliederung der weiblichen Schöpfungskraft in eine neue Gemeinschaftsform gewidmet sein.

Das ursprüngliche Weibliche, die reine weibliche Schöpfungskraft Venus, das weibliche Prinzip der seelischen Verbindung, der Harmonie und der Liebe, ist psychologisch (nach Emma und C.G.Jung) als Anima bekannt. Es ist die innere Frau im Manne, das Bild, das der Mann von der Frau in sich trägt und das natürlich stark von der Erfahrung der Mutter beeinflusst wird. Dieselbe Funktion hat der Animus (Mars) bei der Frau, das innere Bild des Mannes, das sie in sich trägt.

Im Horoskop der Finsternis stehen diese beiden großen Schöpfungskräfte im 11. Haus, das die Samen der Menschheit für die Zukunft in sich birgt. Der fische- und wassergeprägte Animus (Mars) befindet sich im Prozess der Entgrenzung, Auflösung, Verfeinerung und Schwächung, betätigt sich abwechselnd als Giftmischer und Heiler, kommt als Narr, Erlöser oder Betrüger daher, versteht sich gut zu tarnen und hat seine Gründe dafür. Die widder- und feuergeprägte Anima (Venus) kommt aus dem Stier im 12. Haus (dem Bereich der Archetypen ‚nahe bei Gott’) und der ‚eingeschlossenen’ Waage in fünf, dem Haus der Kreativität und Lebensfreude.

DIE SEHERIN VELEDA (Eitempera)

Eine Venus mit 12. Haus Bezug erinnert an die antiken Tempeldienerinnen. An diesem Ort der Abgeschiedenheit und Entgrenzung haben wir alles Persönliche hinter uns gelassen. Zuneigung, Liebe und auch die erotischen Körper (von Frauen und Männern) gehören dem Kosmos, werden universal – unterliegen auch dem Schutz des Kosmos und der sogenannten Götter oder gottähnlichen Wesen. In diesen himmlischen Hallen gibt es jedoch keine Moral, kein gut und böse. Die Götter tragen durchweg menschliche Züge, sind neidisch und eifersüchtig, lügen und betrügen und schlagen sich die Köpfe ab. Ein Blick ins 12. Haus des Finsternishoroskops zeigt die Vollmondachse mit den Mondknoten in einer engen Verbindung mit dem berühmt-berüchtigten Fixstern Algol im Stier. Auch er gehört zum Himmel, zu den Göttern, den lebendigen Urideen und Archetypen. Er soll einer von der übelsten Sorte sein und repräsentiert das ursprünglich Böse, den Kopf des Dämons, das abgeschlagene Haupt der Medusa. Von ihrem Schicksal, das auch das Schicksal unserer Anima, Venus und weiblichen Schöpferkraft in dieser Zeit und in diesem Horoskop ist, berichtet der Mythos (siehe Teil 2).   

Kali (Eitempera)

Mit dieser gespeicherten traumatisierenden Verletzung und Dämonisierung der weiblichen Schöpferkraft erhebt sich die Venus aus dem 12. Haus des kollektiven Unbewussten (Wasser) weiter aus dem Dunstkreis der Erde ins luftige 11. Haus der schöpferischen Ursprungskräfte. Sie erstrahlt als Morgenstern (Luzifer) in ihrem hellsten Lichtgewand noch vor Sonnenaufgang und ist auf dem Weg nach oben – in die neue Zeit, den Raum des Höchsten Bewusstseins  – zur Vollendung und Befreiung, auf den Weg zum MC im Luftzeichen Wassermann. Noch ist sie vom Morgennebel mit einem Schleier umgeben, und wir Menschen sind aufgefordert, ihn zu lüften.

Nicht nur das. Wir Frauen und Männer der erneuerten Erde sind die Schöpfer und Schöpferinnen, die göttlichen Schmiede und Töpferinnen, die die Kraft und Uridee des Weiblichen wieder neu formen dürfen. Wir sind die Seelenheiler und Seelenbildner. Wir hauchen der Venus göttliches Leben, göttliche Schönheit und göttliche Kraft ein.

Geben wir der entehrten und dämonisierten Medusa eine Stimme!

Im 2. Teil werde ich den Mythos von Medusa und die Symbolik des teuflischen Fixsterns Algol beleuchten. Soviel schon vorab: „Algol verkörpert alles, was die Männer am Weiblichen fürchten!

Detail von „Kali“ (Eitempera)

Sternengrüße,

eure Sundra

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