Archetypische Träume

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Leviathan

Archetypische Träume

Eines Tages ist die Zeit reif für die Erfahrung mit der transformierenden Kraft der Urbilder. Wir haben uns durch die persönlichen Schichten des Unbewussten hindurch gegraben, sie ans Licht geholt und bewusst integriert. Nun sind wir an einem Punkt, an dem unsere persönlichen Erfahrungen zur Bewältigung der aktuellen Lebenssituation nicht mehr ausreichen. Wir erinnern uns an das psychische Geschenkpaket, das wir bei unserer Geburt mitbekommen haben. Dies geschieht ganz natürlich, wenn wir uns auf dem Weg der Individuation, auf dem Yogaweg oder einem anderen Weg der Ganzwerdung befinden. Oft findet der Mensch mit 29 oder 30 Jahren zu seinem eigenen Weg und handelt in eigener Verantwortung. In dieser Zeit hat der Planet Saturn – ein Schwellensymbol und Archetyp der Zeit – seine Runde durch den Tierkreis beendet, die Qualitäten aller anderen planetarischen Kraftfelder geprüft und alle Lebensbereiche (die zwölf Häuser im Horoskop) mit seinem Gütesiegel imprägniert. Er befindet sich mit etwa 29 Jahren wieder auf seinem Platz im Geburtshoroskop – diesmal jedoch mit veränderten Beziehungsstrukturen.

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Anubis

Plötzlich erscheinen die energiegeladenen Symbole in unseren Nachtträumen, in der Meditation und dem gelenkten Tagtraum. Sie sind lebendig, farbig, von großer Wucht, Dynamik und emotionaler Intensität. Und sie begegnen uns auch leibhaftig und konkret in unserem Alltagsleben, in der modernen Literatur, in der Musikszene, in der Mode, in Filmen und Computerspielen. Wir können unsere Sinne für ihre Wahrnehmung schulen und durch sie zu einem erweiterten Verständnis von uns selbst kommen.

Die archaischen und oft widersprüchlichen Kräfte von Licht und Finsternis steigen gemeinsam mit mythologischen Urthemen (Lebensmotiven) aus dem Tiefenbewusstsein auf, fechten ihren alten Kampf aus, rufen Protagonisten und Antagonisten auf den Plan. Wir lernen die Bewohner der Unterwelt und die Helden der Nachtmeerfahrt kennen: Odysseus, Dionysos und Pan, Danae und Ischtar-Isis-Maria, Osiris, Parzival und Anubis, Hermes Trismegistos, Moses, Shiva und Kali. Die mythologischen Gestalten werden selten leibhaftig erscheinen, doch wir können sie an ihren Attributen und ihrem Wirken erkennen, wenn uns die Bedeutung ihrer typischen Muster bekannt ist. Wir können den Naturgott Pan an seiner Fellkleidung oder an den Bocksfüßen erkennen, Merkur an den geflügelten Schuhen und seinem Stab, Isis-Maria an ihrem blauen Sternenmantel, Shiva und Kali an der Schädelkette und Opferschale. Ihre Urthemen spiegeln sich außerdem in den archetypischen Strukturen des Tierkreises und der Wirkungsweise der Planetengötter.

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Merkurstab

Symbole und Traumereignisse mit mythologischem Hintergrund zeugen von anstehenden Wandlungen und Initiationen. Sie leiten den für uns notwendigen Schritt für die nächste Bewusstseinsstufe ein. Als Held und Heldin müssen wir Gefahren und Bewährungsproben durchleben, bezwingen Ungeheuer, Drachen und Schlangen, bergen Schätze aus Höhlen, Brunnen und gefährlichen Abgründen. Es stehen Kämpfe mit mythischen Urwesen und Tieren an, wir nehmen teil an rituellen Zeremonien, Opfern und Einweihungen, gehen durch Zerstückelung, Tod und Wiedergeburt, erhalten Hilfe durch weise Führer, Stimmen oder magische Kräfte.

Plötzliche Hilfe oder neue Kräfte kommen oft durch Zeichen und Symbole, die wir im Traum zu handhaben lernen. Es sind gewaltige, übermenschliche und magische Energien, die uns für die Wandlung, Neugeburt und Heilung zur Verfügung stehen, vor allem die elementaren Naturkräfte von Feuer und Wasser, Blitz und Donner, Wind und Erde.

Als im Traum einmal eine große Tsunamiwelle von links auf mich zurollt, ist mir im Traum bewusst, dass es für meine Tochter und mich den Tod bedeutet. Während ich die Tochter noch tröste und sie über die Tatsache von Tod und Wiedergeburt, Kommen und Gehen aufkläre, mache ich mit der linken Hand eine beschwörende Geste (Mudra) in Richtung Wasser und anschließend mit zwei Fingern das V-Zeichen mit der Öffnung nach unten. Sofort beruhigt sich das Wasser, bleibt still und friedlich. Es erreicht nicht die Mitte, in der ich mit meinem Kind stehe. Da bin ich sehr erstaunt über die Macht und Kraft der Zeichen. Das heißt, ich erfasse im Traum die auf mich zurollende Gefühlswelle intuitiv, sehe ihr gefasst ins Auge und handle spontan, intuitiv und absichtslos – mit links (Traum »Hochwasser« 1.3.2002). Der Traum spricht ein schmerzhaftes Loslassthema in der Mutter-Tochter-Beziehung an.

Porträt Mann und Frau, Bleistift
Anima, Animus

Die bekanntesten Archetypen sind Anima und Animus für die Yinkraft und die Yangkraft der Seele, die sich in unseren Träumen in der Form von weiblichen und männlichen Personen beziehungsweise Energien und Bewegungsrichtungen offenbart. Sie erscheinen, wenn es um die Integration der gegengeschlechtlichen Energien geht. Hinter ihnen steht die Prägung durch das Ur-Mütterliche und Ur-Väterliche in uns. Das Urbild des Schattens taucht auf als Feind, Widersacher, Rivale und Rivalin und bedient sich dabei fremder und vertrauter Gestalten. Er kann das verdrängte Schattenthema einer ganzen Generation, einer kulturellen und religiösen Gemeinschaft oder Nation repräsentieren. Die Erfahrungen mit den Nationalsozialisten, mit den Verfehlungen der christlichen Kirche und anderen religiösen Organisationen sind prägender Natur und sitzen allen Menschen tief in den Knochen. In der Begegnung mit dem Schatten haben wir uns mit dem Thema »gut« und »böse« auseinanderzusetzen, werden mit unseren verdrängten, auf andere übertragenen, dunklen Seiten konfrontiert.

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Sternenkind

Andere Urbilder sind das göttliche Kind als Erlöser und Retter, der alte Weise und die weise Alte, der Liebhaber und die Geliebte, König und Königin, helfende Tiere, Naturwesen und Zauberer. In den 22 Großen Arkana des Tarot, analog dazu in den 22 hebräischen Buchstaben, den 12 Zeichen des Tierkreises und 10 Planetensymbolen sind die wichtigsten Archetypen überliefert und können zur Deutung auf dem Weg zum Selbst herangezogen werden. Auch Stimmen, Töne, Lichter und Wesen, die wie von außerhalb des Traums zu uns zu kommen scheinen, gehören zu den prägenden Mustern, ebenso Rituale, Opferungen und Naturgewalten. Je elementarer, abstrakter und urtümlicher das Symbol oder symbolische Geschehen ist, desto tiefgreifender und umfassender wirkt es in unserem Leben und Bewusstsein bis in den weiteren Umkreis hinein.

 

Archetypische Energiemuster

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Kali (Mandala)

Bei den Urbildern handelt es sich um erlebbare Energiemuster und Grundkonstellationen, die aus dem großen Informationsspeicher des kollektiven Unbewussten wirken. Dieser Pool von Schöpfungsenergie, aus dem wir alle stammen und unsere Lebensenergie schöpfen, wird in der Astrologie als Tierkreis bildlich dargestellt. In seinem ganzheitlichen System sind die kollektiven Erfahrungswerte in Form von spezifischen Erscheinungsformen und Seinsqualitäten abgespeichert, ebenso ihre Konflikte mit den verschiedenen Lösungswegen.

Aus diesem kollektiven Erfahrungsschatz, der auch als Gedächtnis der Ahnen und der ganzen Menschheit bezeichnet werden kann, wird jedem Menschen bei der Geburt sein individuelles Anlagepaket in die Wiege gelegt. Aus ihm schöpfen wir nicht nur die Art unseres Erlebens, wir extrahieren auch den Sinn unserer Erfahrungen.

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Tierkreis mit Ankh

In den Märchen »Die zwölf Brüder« und »Dornröschen« erscheint die Zahl Zwölf als ein Abbild des Tierkreises mit seinen zwölf archetypischen Anlagen. Die Geschenke der zwölf eingeladenen Feen sowie die zwölf goldenen Teller sind Urbilder, die sich auf die Ganzheit des Tierkreises beziehen. Die zwölf erlebbaren Grundmuster beschenken Dornröschen, die Seele des Menschen, mit kosmischen Kräften. Das Dreizehnte wiederum ist als neue Eins ein Symbol der schöpferischen Mitte und einenden Liebe. Wo das Dreizehnte ausgeschlossen oder verdrängt wird, muss der Mensch durch die Erfahrung des Sterbens und der Neuwerdung gehen (Tod und Wiedergeburt).

Es heißt, im Traum und im pränatalen, vorbewussten Zustand als Fötus geht der Mensch durch alle Stadien der evolutionären Entwicklung. Wir sind Stein und Pflanze, Tier und Mensch, Planet und Engelwesen. wir kennen den Seinszustand der Raupe wie den des Schmetterlings. Wir erleben das Mineralische, Vegetative und Tierhafte in uns, das Planetarische in der Form des Runden, Sphärischen und das Engelhafte reiner Lichtgestalt.

 

(Auszug aus meinem unveröffentlichten Manuskript „Symbolarbeit als kreative Selbstverwirklichung“, Band 1 Traumdeutung und Horoskopdeutung)

 

 

 

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Die Bedeutung der Sabischen Symbole

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Venus-Pentagramm mit Sabischen Symbolen

DIE BEDEUTUNG DER SABISCHEN SYMBOLE

Jeder Mensch erlebt das, was ihm zusteht und was zu ihm gehört aufgrund des ihm eigenen Potenzials. Welchen Wert er den Erfahrungen zumisst und nach welchen Kriterien er sie bewertet, hängt von seinem Entwicklungsstand und der Prägung durch seinen soziokulturellen Bezugsrahmen ab. Sieht der Mensch in den traditionellen gesellschaftlichen und kulturellen Bezugsrahmen keinen Sinn und Wert mehr, wird er nach einem neuen Bezugsrahmen mit neuen Bedeutungsinhalten suchen, die ihm die ersehnte innere Sicherheit geben können.

Solche Bezugssysteme sind die 22 Arkana des TAROT, die 64 Hexagramme des I GING und die 360 Grade des ZODIAK. Jedes dieser Systeme stellt eine vollständige, in sich abgeschlossene, zyklische Serie von Sinninhalten dar, aus denen ein Individuum Sinn und Bedeutung für sein Leben und seine Erfahrungen extrahieren kann – als Möglichkeit.

Lebenswichtige Ereignisse können weder umgangen noch kontrolliert werden. Sie gehören zu uns. Wir begegnen ihnen aufgrund einer inneren Notwendigkeit und geben ihnen Bedeutung und Sinn. Diese erhalten wir nur, wenn wir das Erlebte in seiner Beziehung zum ganzen Prozess sehen.

Kein isoliertes Geschehen hat Bedeutung aus sich selbst heraus! Diese erlangt es erst durch den Zusammenhang im größeren Ganzen. Auch wenn das in Beziehung setzen unbewusst erfolgt, ist es doch die Grundlage für eine Bedeutung. So erhält jede Erfahrung, jeder Planet und jeder Punkt im Tierkreis eine Bedeutung aufgrund der einmaligen Stellung im größeren Ganzen, nicht nur punktuell und graduell, sondern auch multidimensional (auf drei Ebenen: aktional, kulturell-emotional, individuell-mental).

Und so kann auch der Sinn der Arbeit mit den Sabischen Symbolen nur darin liegen, dass wir als Individuum immer durchlässiger werden für die Absicht und den Geist des Ganzen, dass unser Leben wieder „heilig“ (heil) wird, d.h. erfüllt und durchdrungen vom planetaren Geist oder Willen Gottes. Durch das, was wir „unser Leben“ nennen, handelt der schöpferische Geist des Universums. Wir sind zugleich Darsteller und Teilhaber des großen Lebensrituals.

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Ankh + Uroboros

Das Erschaffen von SINN und BEDEUTUNG ist ein lebenswichtiger, schöpferischer Akt, den wir bewusst oder unbewusst vollziehen (im Horoskop gibt VENUS darüber Auskunft). Ob ein Mensch den nächsten Entwicklungsschritt macht und wenn ja, wie dieser geschieht (in welchem Sinne), hängt von der BEDEUTUNG ab, die er diesem Schritt oder Geschehen gibt (bewusst oder unbewusst). Konflikte entstehen, wenn verschiedene Aspekte der Persönlichkeit (die Planeten) den Erfahrungen verschiedene Bedeutungen geben.

 

Im Gegensatz zu den Zeichen führen die Sabischen Symbole nicht zu vorhersehbaren Ereignissen oder Handlungen, sondern die Bedeutung des Symbols ist für jeden Menschen unterschiedlich je nach Lebenssituation, Bewusstseinsstand, Alter, Entwicklung etc.

Auf der Seite von Hans-Werner Bethke findet ihr seine Diplomarbeit über die Sabischen Symbole als Download. Sehr empfehlenswert!

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Tierkreis-Mandala „Horusauge“

Marc Edmund Jones schreibt:

Symbolische Astrologie ist eine lebendige Kunstund muss als solche erlernt werden. Die mit den Graden des Tierkreises verbundene Symbolik sollte selten wörtlich genommen werden. Sie sind eher Katalysatoren für das höhere Verständnis des Astrologen, dessen Entwicklung es ihm ermöglichen wird, Inhalt und Schlussfolgerung jedem Lebensfaktor hinzuzufügen.“

Sternengrüße

von Sundra